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Geschichte der Insel Chios

Durch seine strategische Lage spielte Chios in der Geschichte über Jahrhunderte eine kontinuierlich wichtige Rolle. Zahlreiche Herrscher nahmen die Insel ein. Überreste der  Baustile unterschiedlichsten Epochen jeweiligen Eroberer bestimmen bis in die heutige Zeit das Bild der Insel. Laut der Mythologie soll Chios in sehr früher Jahren, von zahlreichen wilden Tieren bevölkert gewesen sein. Der Jäger Orion soll sie alle  erlegt haben, um so Merope, die Frau des Oinopion, für sich zu gewinnen. Weil Orion seine Interesse an der schönen Merope sehr offen zeigte, machte  Oinopion seinen Nebenbuehler Orion betrunken und blendete ihn, sodass er sein Augenlicht verlor. 

Fakt ist, das Chios schon seit der Jungsteinzeit  bewohnt gewesen sein muss,  so haben es Historiker an Hand von Funden, die sie auf der Insel gemacht haben rekonstruiert. Schon in der frühen Jungsteinzeit entwickelte sich auf den Inseln der nördlichen Ägäis, zu der auch Chios gehört eine bedeutende Zivilisation. Aufgrund ihrer guten ökologischen Bedingungen zog die Insel bereits seit dieser Zeit Siedler an. Während der der Jungsteinzeit und der Bronzezeit (6000-2000 BC) hat Chios mehrere kulturelle und wirtschaftliche Stadien durchlebt. Beweise haben Archäologen  bei Ausgrabungen bei Emporio (Funde aus der Periode 2600-2000 v.Chr.)  und nahe der Höhlen von Agio Galas (Archäologische Funde aus dem 3000 v.Chr.) gefunden. datiert. Der erste König von Chios wurde Amphialos oder Amphiklos genannt. Er wurde von einem Oracle auf Chios geschickt. Um 1.000 v. Chr. Die Ionier besiedelten die Inseln Chios und Samos und errichteten zehn Städte entlang der kleinasiatischen Küste. Später gründeten sie den Dodekapolis, den sogenannten Zwölferbund, der sich aus Städten und Inseln zusammensetzte. Die Ionier erschlossen schnell ganz Chios. In Überlieferungen fand man Namen der damaligen Siedlungen wie Kardamyle, Kavkas, Koila, Volissos, Notion, Phana, Poseidon oder Lefkonion.

Um 700 v.Chr. wurde Chios eine Seemacht. Das Kultur- und Handelszentrum erlebte eine wahre Blütezeit. Neben dem Mastix war auch der chiotische Wein, bekannt. Er war einer der teuersten Weine im antiken Griechenlands. Aus dieser Zeit wurden zahlreiche Münzen aus Chios gefunden, ein Zeichen des Reichtums, denn derzeit gehörten die Bewohner der Insel zu den reichsten im ägäischen Gebiet.

Der Wohlstand der Insel wurde vernichtet, als  493 v. Chr.  die Perser Chios eroberten und die Insel verwüsteten. Historiker fanden heraus, dass die Perser Jagd auf die Chioten machten. Sie verbrannten die Kultstaetten, zerstörten die Weinberge und lieferten Gefangene dem persischen König aus.

Nachdem die Perser in den Schlachten von Salamis, Platäa und Mykale besiegt wurden, hatten  die Bewohner der Insel, die persischen Stadthalter vertrieben und erlangten die Unabhängigkeit. Später wurden sie Mitglied der Liga von Athen. Die Insel erlebte in der Zeit des Attischen Seebundes eine erneute Blütezeit. Diese Periode endete mit dem Peloponnesischen Krieg. Danach  löste sich Chios von Athen und Schloss sich Sparta an.  Ein bedeutender Fund dieser Zeit,  war das Delphinion, das die Athener 412 v Chr. zu einem Handels- und Marinestützpunkt ausgebaut hatten, das bei Ausgrabungen frei gelegt wurde. Danach folgte eine Zeit der Instabilität. Chios hatte noch verschiedene Bünde mit den Athenern, Alexander dem Großen und den Mazedoniern bis hin zu den Römern. Die Chioten begrüßten die Ankunft der Römer in Griechenland. Sie gingen eine Allianz mit ihnen ein, um die syrischen Selefkiden von Chios, zu vertreiben. In dieser Periode hat sich das Machtzentrum vom ägäischen Meer zum Festland verschoben. Während der Kaiserzeit besuchten Tiberius und Nero die Insel. Inschriften lobpreisen die römischen Gesetze, doch in der Realität  plünderten die Römer die Kunstwerke von Chios. Um das Chaos dieser Zeit komplett zu machen, erschüttete eine Serie von schweren Erdbeben die Insel und komplettierte die Zerstörung.

Im 6. Jahrhundert v. Chr. sollen in der Hauptstadt von Chios ca. 60.000 - 80.000 Einwohner,gelebt haben. Zu dieser Zahl kamen sicher noch mal genauso viele Sklaven. Ausgrabungen in der Akropolis förderten den ehemaligen Herrschaftssitz, Megaron zutage. In dieser Epoche, wurde zum ersten Mal in der hellenischen Welt , auf der Insel Chios, das Wort Parlament benutzt. Dieses bestand aus zwei Räten. Der eine setzte sich aus gewählten Bürgern zusammen, der andere bestand aus verschiedenen Adligen. Man geht davon aus, das auf Chios  Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. die Monarchie abgesetzt worden war und durch die neue  Staatsform ersetzt, wurde. In dieser Zeit, soll  Überlieferungen zufolge der Philosoph Homer ( Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. ) hier geboren worden sein. In der Ortschaft Vrondaso, 5km von der Hauptstadt entfernt, befindet sich der berühmte Lehrerfelsen, hier soll einst Homer seine Schüler unterrichtet haben.

Schriftliche Quellen aus der frühchristlichen Zeit von Chios sind rar und ungenau.  Desshalb sind die Fakten der Zeit unzureichend. Nach chiotischen Überlieferungen kam der Apostel Paulus auf seiner Mission durch Griechenland im Jahre 54 n. Chr. auf die Insel um die Lehre Gottes, zu predigen. Es gibt dafür keine historischen Belege, doch geht man davon aus, das seit dieser Zeit der christliche Glaube auf der Insel vorherrschte. Während der frühchristlichen Epoche wurden eindrucksvolle Basiliken, Strandhäuser, Bauernhöfe, Mosaikböden, Ruinen und Skulpturen errichtet. Die Chioten hatten ihre eigenen Münzen, deshalb gehen Historiker davon aus, dass sich die Insel vom 4. bis 7. Jahrhundert n. Chr. in einem wirtschaftlichen Aufschwung befand, nachdem sie von Kriegen, Erdbeben und Hungersnöten heimgesucht worden war. Bemerkenswerte Sehenswürdigkeiten aus der  frühchristlichen Zeit Sind der Tempel der Palas bei Emporio und die Basilika Agia Isodore in Chios-Stadt.  

Während der Zeit des byzantinischen  Reiches weitete sich dieses bis nach Kreta hin aus. Wiederaufstieg erfolgte und im selben Zuge hatte die Ägäis mit zahlreichen Plünderungen durch Piraten, zu tun. Damals begann man die Ortschaften inseleinwärts, oder vom Meer nicht einsehbar, zu bauen um vor diesen Plünderungen sicher, zu sein.  Im 11. Jahrhundert hat der byzantinische Kaiser Monomachus das Kloster von Nea Moni gebaut. Diesen Bau hatte der Kaiser einen christlichen Heiligen versprochen,  der seine Thronbesteigung vorausgesehen hat. Aus dieser Zeit kann man auch heute noch zahlreiche Kirchen und Klöster besichtigen. Neben den Piraten versuchten auch die Türken zu erobern. Zur Sicherung der Insel baute man damals Die Festung von Chios. Zu dieser Zeit wurde wahrscheinlich auch errichtet. Nach den Schriften der Historikerin Anna Komnena wurde die Insel im 11. Jahrhundert mehrmals von dem  türkischen Feldherrn Tzachas angegriffen.

Die Venezier Ihrerseits, versuchten, die Insel 1124 und 1171 zu erobern. Doch  als eine schlimmen Hungersnot ausgebrochen war, verließen sie die Insel wieder.  Nach dem Jahre 1205 wurde Chios in den Staat von Konstantinopel eingegliedert. 1225 befreite Ioannis Vatatzis die Insel von der Fremdherrschaft. Nach einer Zeit mit wechselnden Herrschern eroberten die Genoveser die Insel. Sie behielten Chios für ungefähr zwei Jahrhunderte in ihrer Hand.  Nach 1349 wurde Chios von Genua kontrolliert. Unter der Herrschaft der Genoveser blühte die Insel wieder auf.  Die gesamte Insel wurde anfangs von 29, später 12 genovesischen Reedern beherrscht. Diese gründeten eine Handelsgemeinschaft und nannten diese Maona.  Die Teilhaber dieser Handelsgesellschaft wurden nach dem Giustiniani-Palast in Genua Giustinianer genannt. Dort war der der Hauptsitz des Unternehmens. Das Paradies des Ostens, so wie man die Insel in dieser Zeit nannte, betrieb außerdem  effiziente Landwirtschaft, züchtete Seidenwürmern ( von den Genuesern eingeführt) und verkauften Mastix. Die Genoveser brachten wieder Reichtum auf die Insel, doch ihr Verwaltungsapparat war gefürchtet. Sie verboten jegliche kulturelle Entwicklung und die griechische Sprache. Einzig der Christliche, wenn auch nicht der orthodoxe Glauben war erlaubt. In der Zeit der italienischen Ritter, wurden zahlreiche prächtige Kirchen gebaut, die heute noch das bild der Insel maßgeblich beeinflussen. Besonders beeindruckend, die Kirche der heiligen Apostel in Pyrgi, das Kloster von Kournas, das Kloster Nea Moni, das Kloster vo Pamegistion Taxiarchin ( Nenta) die Basilika der Heiligen Agrelopou ( Kalamoti) und die Kirche der Jungfrau Silelia ( Didymes). Wegen dieser Umstände zogen die Genueser den Hass der Inselbewohner auf sich. 

Christopher Columbus soll, so steht es geschrieben,  Chios als Gast der einer Handelsfamilie vor seiner Reise in den Westen besucht haben. Einige  Historiker, glauben das Christopher Columbus auf Chios Seekarten erhalten hat, die seine Reise nach Amerika unterstützten.  

Während ihrer Regierungszeit bauten die Genoveser zahlreiche Festungen und Burgen. Bestehende Festungen wurden verstärkt. Überreste bedeutender Festungen und Burgen sind bis in die heutige Zeit erhalten geblieben und können besichtigt warden. Da sind: Die Festungen:  von Apolihi in Armolia, in Chiod in Kambia. In Volisissos, der Guistiani Palast in Chios Stadt und zahlreiche Wachtürme (Besonders interessant der Turm im Westen von Chios, bei Siderounda) Das Ziel war es sich vor  vor den Türken schützen, zu können, die Chios immer wieder angriffen. Doch alle diese Mühen, vermochten es nicht zu verhindern, dass Chios 1566 fast ohne Kämpfe in türkische Hände fiel und die Osmanen die Insel von nun an für fast 350 Jahre (1566-1912)beherrschten. Anders als auf anderen Inseln, durften die Einwohner von Chios viele religiöse sowie politische Privilegien und Eigentümer behalten. Der Sultan brauchte die Chioten. Sein Harem liebte die Süßigkeiten, die aus Mastix hergestellt wurden. Auch die Seidenstoffe aus der Inseleigenen Produktion, wurden vom Harem des Sultans sehr geschätzt.  Die Türken versahen Häuser mit Erkern und kleinen Türmen und Moscheen wurden gebaut. Im Gegensatz zum restlichen Griechenland blühte Chios während dieser Zeit richtig auf. Die Wirtschaft lief ebenso gut wie die Künste. Reisende berichteten von der hohen Lebensqualität. 1792 wurde hier die berühmte Schule von Chios gegründet, zu der auch eine Bibliothek und eine Druckerpresse gehörten. Der Wohlstand endete jedoch mit dem Massaker von 1822. Oberhalb des Ortes Avgonima führt eine Straße nach Anatavos. Die Bewohner des verlassenen Dorfes stürzten sich 1822 beim Kampf gegen die Türken in aussichtsloser Lage von den Felsen, ihre Geister sollen seither im Ort umgehen. Die  Chioten rebellierten gegen die Türken rund wollten sich von der Fremdherrschaft befreien.  Viele der  Griechen, die das Massaker überlebten,  verließen Chios und siedelten sich im restlichen Griechenland oder im Ausland an. Konstantin Kanaris, der chiotische Unabhängigkeitskämpfer zündete nach dem Massaker  das türkische Flaggschiff an und versenkt es. Der aufstand und die Kämpfe hatten nichts gebracht, denn Chios blieb auch weiterhin von den Osmanen besetzt und unterdrückt.  Die hier gebliebenen Griechen versuchten, die Wirtschaft wieder anzukurbeln, doch alle Mühen waren umsonst.  Im März 1881 zerstörte ein starkes Erdbeben  alles, was die Bewohner nach dem Massaker wieder aufgerichtet hatten und forderte ca 3.500 Tote.

Am 11. November 1912 wurde Chios endlich von den Türken befreit.  Doch die Freiheit und der Frieden auf der Insel dauern nicht lange. Am 4. Mai 1941 wurde Chios erneut besetzt. Die Deutschen besetzen die Insel.  Die Besetzung, dauert jedoch nicht sehr lange, sie endete am 10. September 1944.

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