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Griechenland - griechische Geschichte

Einleitung

Die offizielle Staatsbezeichnung des Landes lautet Republik Griechenland. Der Staat liegt in Südosteuropa und hat gemeinsame Grenzen mit Bulgarien, Mazedonien, Albanien und der Türkei. Mit einer Einwohnerzahl von etwas über 11 Millionen Menschen und einer Fläche von etwas mehr als 110.000 Quadratkilometer gehört das moderne Griechenland zu den kleineren Staaten der europäischen Gemeinschaft. Hauptstadt des Landes ist Athen mit knapp 800.000 Einwohnern. Die Siedlungsgeschichte der Stadt lässt sich mehr als 5.000 Jahre zurückverfolgen. Damit gehört Athen zu den ältesten Städten Europas. Andere wichtige Städte im modernen Griechenland sind Thessaloniki, Piräus und Patras. Griechenland weist eine stark gegliederte Küste auf. Das Staatsterritorium besteht zudem aus vielen großen und kleinen Inseln, von denen viele unbewohnt oder nur sporadisch bewohnt sind.

 

Wenn das moderne Griechenland auch zu den wirtschaftlich weniger bedeutenden Staaten der EU zählt, ist seine historische Bedeutung umso höher. Das Land kann auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurückblicken, die Tausende von Jahren zurückreicht und nicht erst mit der Zeit der klassischen Antike beginnt, sondern schon lange vorher einsetzte. Griechenland wurde im Laufe seiner Geschichte schon oft erobert und wieder befreit. Auf Perioden der Blüte folgten Zeiten des Niedergangs. Es ist keine Übertreibung, zu sagen, dass die griechische Geschichte und Kultur bis heute die moderne westliche Zivilisation beeinflussen. Eines unter unzähligen Beispielen sind die modernen Olympischen Spiele. Die Grundidee der Spiele, dass sich Athleten verschiedenster Völker und Nationen zum friedlichen Wettstreit treffen, um die Besten unter ihnen zu ermitteln und zu ehren, geht direkt auf Vorbilder aus der griechischen Antike zurück.

 

Griechische Frühgeschichte

Wenn die meisten Leute den Begriff "griechische Geschichte" hören, denken sie sofort an die Zeit des klassischen Altertums im 5. Jahrhundert v. Chr. zurück. Die griechische Geschichte beginnt jedoch schon viel früher. In Fakt, die minoische Kultur auf der Insel Kreta, die bis heute zum griechischen Staatsgebiet zählt, war die erste bronzezeitliche Hochkultur Europas und erlebte ihre Blütezeit unter König Minos um das Jahr 2.000 v. Chr. Zu dieser Zeit entstanden Städte und umfangreiche Palastanlagen mit modernem Wohnkomfort wie WC, Bad und Fußbodenheizung. Wenn auch die Kreter nicht zu den griechischen Völkern zählen, gilt ihre minoische Kultur als Vorläufer der griechischen. Um 1850 v.Chr. wanderten Achäer und Ionier, Völker die zu den griechischen Stämmen gezählt werden, in Griechenland ein. Sie breiteten sich aus und besetzten um 1500 v. Chr. Kreta. Dabei eigneten sie sich wesentliche Teile der minoischen Kultur an. Auf dem griechischen Festland wurde Mykene im Süden des Landes um 1300 v. Chr. das kulturelle Zentrum.

 

Um das Jahr 1200 v. Chr. kamen die Dorer, ein anderer griechischer Stamm, ins Land. Sie gründeten zahlreiche neue Städte, unter ihnen Sparta, den Rivalen Athens. Seit dieser Zeit bestand Griechenland für viele Jahrhunderte aus unabhängigen Stadtstaaten, den sogenannten Polis, die im stetigen Wechsel lose Bündnisse bildeten oder gegeneinander Krieg führten. Das einigende Band Griechenlands war die gemeinsame Kultur, Sprache und Schrift. Nichtgriechen wurden wegen ihrer Art, das Griechische nur gebrochen zu sprechen, als Barbaren bezeichnet. Dieses Wort bedeutete ursprünglich "die Stammelnden" und bürgerte sich im Laufe der Zeit als verächtliche Bezeichnung für Ausländer ein. Integrationsprobleme und Ausländerfeindlichkeit sind also keine Erscheinung der Neuzeit.

 

Die klassische Antike

Um das Jahr 750 v. Chr. lebte der blinde Sänger Homer, der bis heute wohl bekannteste Dichter der Antike. Er schuf mit der "Ilias" und der "Odyssee" zwei unvergleichliche Werke, die bis heute nicht nur zum Lehrstoff an den Schulen gehören, sondern unzählige Male als Vorlage für Romane, Bühnenstücke, Filme und andere Kunstwerke dienen. Während dieser Zeit begann die Rivalität zwischen den Städten Sparta und Athen. Während Sparta eine weitgehend von Landwirtschaft geprägte Siedlung war, konnte die karge Umgebung Athens die Stadtbevölkerung nicht ernähren. Daher waren die Athener schon zeitig gezwungen, Handwerk und Handel zu betreiben, um eine Lebensgrundlage zu besitzen.

 

In Athen entwickelte sich nach langer Zeit die ersten Grundlagen der Demokratie, weil der Adel nicht mehr alleine herrschen konnte, sondern auch die Kleinbauern und Handwerker mit in den Entscheidungsprozeß einbezogen wurden. Diese Entwicklung wurde durch die Perserkriege beendet. Die Perser bedrohten ganz Griechenland und konnten nur mit den vereinten Kräften aller Griechen nach langem Ringen bezwungen werden. Aus den Perserkriegen ging Athen als mächtigste griechische Stadt hervor, während Sparta sehr geschwächt war und für viele Jahre keine nennenswerte Rolle mehr spielte. Die kurze Periode von 460 bis 431 v. Chr. wird das Goldene Zeitalter Athens genannt. In dieser Periode gelangte Athen unter seinem Herrscher Perikles zur höchsten Blüte. Davon zeugen beispielsweise bis heute Bauwerke von Weltbedeutung, wie zum Beispiel die Akropolis mit den Propyläen, dem Parthenon-Tempel und andere Bauwerke.

 

Nach dem Tode des Perikles entbrannte die alte Rivalität zwischen Athen und Sparta wieder. Durch den ständigen Bürgerkrieg wurde das Land verwüstet und geschwächt. Erst einige Zeit später, unter Alexander dem Großen, gelang es Griechenland sich wieder zu vereinen. Diese Vereinigung geschah allerdings mit gewaltsamen Mitteln, da der makedonische König Philipp II. die geschwächten Griechen unterwarf. Nachdem sein Sohn Alexander im Jahre 336 v. Chr. im Alter von 20 Jahren König geworden war, führte er Krieg gegen die Perser und besiegte sie. Seine Feldzüge führten ihn bis nach Ägypten und sogar bis nach Indien. Im noch relativ jungem Alter von 33 Jahren starb Alexander 323 v. Chr. in Babylon. Wenn auch seine Herrschaft nur von kurzer Dauer war, verbreitete er doch die griechische Sprache und Kultur durch einen großen Teil der damals bekannten Welt. Noch heute zeugt der Namen "Alexandria", der zweitgrößten ägyptischen Stadt, vom Ruhm ihres Gründers.

 

Griechenland von der Antike bis zum Ende der osmanischen Herrschaft

Nach dem Tode Alexanders entflammte unter den Griechen der Kampf um die Vorherrschaft erneut. Keine Seite gewann wirklich die Oberhand. Die instabile Lage wurde von der neuen antiken Supermacht Rom genutzt, um Griechenland zu annektieren. Im Jahre 146 v. Chr. verlor Griechenland endgültig seine Selbstständigkeit und wurde römische Provinz. Daran änderte sich bis zum Ende der Spätantike nichts mehr. In Fakt dauerte es etwa 2.000 Jahre, ehe Griechenland im 19. Jahrhundert wieder selbstständig wurde. Trotzdem waren die griechische Sprache und Kultur besonders im östlichen Mittelmeerraum für viele Jahrhunderter allgemein weit verbreitet. Gefördert wurde diese weite Verbreitung durch das Byzantinische Reich, das als Amtssprache Griechisch benutzte und viele Ideen und Einrichtungen der Antike übernahm. Nach dem Untergang des Byzantinischen Reiches und dem Fall Konstantinopels im Jahre 1453 geriet Griechenland unter türkischer Herrschaft. Diese Fremdherrschaft währte über 400 Jahre lang bis ins 19. Jahrhundert hinein.

 

Griechenlands Unabhängigkeit und die Entwicklung bis in die Neuzeit

Erst als das Osmanische Reich im Laufe der Jahrhunderte schwächer wurde und erste Zerfallserscheinungen zeigte, nutze das die griechische Unabhängigkeitsbewegung, um 1821 den Befreiungskampf zu beginnen. Dabei wurden die Griechen besonders von England, Russland und Frankreich unterstützt. Der Befreiungskampf endete siegreich mit der Erklärung der Unabhängigkeit im Jahre 1831. Griechenland wurde offiziell zu einer Monarchie, deren Status von Großbritannien garantiert wurde. Der erste griechische König war Prinz Otto, der zweite Sohn König Ludwigs I. von Bayern. Er regierte in Griechenland als König Otto I. bis 1862, als er durch einen gewaltfreien Aufstand zum Abdanken gezwungen wurde.

 

Sein Nachfolger, König Georg I., stammte ebenfalls aus einer deutschen Fürstenfamilie. Das Staatsgebiet Griechenlands zur Zeit der Unabhängigkeit war viel kleiner als heute und wurde erst im Laufe der Zeit auf die heutige Größe erweitert. Im Zweiten Weltkrieg wurde Griechenland durch die Wehrmacht besetzt. Das Land hatte schwer unter dem Besatzungsregime zu leiden und erlitt hohe Verluste an Menschenleben und materiellen Werten. Um die Besatzer zu vertreiben, entwickelte sich eine starke Partisanenbewegung, die 1944 letztendlich zur Befreiung des Landes führte. Damit war das Leiden der griechischen Bevölkerung aber noch nicht beendet. Kommunistische und antikommunistische Kräfte kämpften um die Macht. Dieser Kampf wurde erst 1949 zugunsten der antikommunistischen Kräfte entschieden. Der Bürgerkrieg forderte insgesamt mehr als 100.000 Menschenleben. Von 1950 bis 1967 folgten wechselnde bürgerliche Regierungen, denen es jedoch nicht gelang, stabile Mehrheitsverhältnisse zu erreichen.

 

Eine der schwärzesten Stunden der neueren griechischen Geschichte war der Militärputsch der Obristen, die bis zum Jahre 1974 die Macht übernahmen. Anfänglich verbuchten sie sogar mit starken restriktiven Maßnahmen Erfolge und auch die Wirtschaft erholte sich. Als Ergebnis der Zypernkrise jedoch und der Schwächung der Wirtschaft brach das Regime 1974 endgültig zusammen. Es wurden demokratische Wahlen abgehalten. Im Jahre 1981 wurde Griechenland ein Mitglied der EWG. Obwohl bis heute ein Abstand zu den weiter entwickelten Staaten der EU besteht, entwickelt sich Griechenland weiter. Besonders die Olympischen Spiele im Jahre 2004 waren ein großer Anreiz für die wirtschaftliche Entwicklung. Trotzdem hat das Land bis heute mit Schwierigkeiten und Problemen zu kämpfen, von denen nicht zuletzt die jüngste Schuldenkrise Zeugnis ablegt. Erschwerend kommt noch dazu, dass Griechenland ein relativ kleiner Staat am Rande der EU ist. Das Land hat kaum Bodenschätze und ist in weiten Teilen sehr gebirgig und nicht sehr ertragreich. Auf die lange Sicht wird Griechenland aber sicher Erfolg haben, weil die Griechen schon oft in ihrer langen und wechselvollen Geschichte ihre Zähigkeit und ihren Lebenswillen unter Beweis gestellt hatten. Auf jeden Fall ist der griechische Einfluss auf das moderne Leben bezogen auf die Größe des Landes sehr stark und durchzieht praktisch alle Bereiche, von der Politik über die Wissenschaft bis zum Sport. Dazu kommt noch, dass Griechenland besonders bei den Deutschen ein beliebtes Reiseziel ist. Das betrifft in ganz besonderem Umfang die griechische Inselwelt und Kreta. Auch die griechische Küche findet international immer mehr Freunde.

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