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Griechenland - Kultur und Sprache

Einleitung

Von der Fläche, Einwohnerzahl und Wirtschaftsleistung her betrachtet, ist Griechenland ein eher unbedeutender Staat am südöstlichen Rand der EU. Das täuscht aber über den gewaltigen Einfluss hinweg, den die griechische Kultur bis heute auf das alltägliche Leben jedes Einzelnen hat. Mit vollem Recht gilt Griechenland als die Wiege der westlichen Zivilisation. Viele Dinge und Einrichtungen, die die Menschen heute umgeben, haben ihren Ursprung im antiken Griechenland.

Die griechische Sprache

Grundlage jeder Kultur ist die Sprache. Gerade auf diesem Gebiet hat Griechenland eine überaus reiche Tradition aufzuweisen. Griechisch gehört zur Familie der indogermanischen Sprachen, stellt aber einen eigenen Zweig der Sprachfamilie dar. Seit fast 3.500 Jahren gibt es griechisch in Schriftform. Die frühesten Inschriften wurden in Mykene gefunden und datieren aus dem 14. Jahrhundert v. Chr. Die damalige, sogenannte Linearschrift B hatte mit dem späteren griechischen Buchstaben nichts gemein. Diese Buchstabenschrift wurde von den Griechen um 800 v. Chr. von den Phöniziern übernommen, mit Vokalen ergänzt und weiterentwickelt. Damit ist Griechisch die älteste, noch heute benutzte europäische Schriftsprache. International hat nur Chinesisch eine noch längere Tradition. Noch heute benutzen viele Menschen im Alltag Wörter, die ihren Ursprung in der griechischen Sprache haben – meist, ohne sich dessen bewusst zu sein. So gab es im antiken griechischen Stadtstaat Polis Staatssklaven, die für Ruhe und Ordnung zu sorgen hatten. Davon leitet sich das Wort "Polizei" ab. Andere Beispiele sind die Wörter Demokratie oder Gymnasium. Über dieses Thema alleine ließe sich ein ganzes Buch schreiben.

Griechische Kultur

Wenn man das Wort Kultur hört, denkt man unwillkürlich an Kunst. Kultur ist aber ein viel weiterer Begriff und umfasst die gesamte Lebensart, Weltanschauung, Staatsaufbau und Politik eines Volkes. Auf allen diesen Gebieten leistete Griechenland Pionierarbeit und war der Wegbereiter für die moderne Gesellschaft. So waren und sind beispielsweise die beiden Werke "Ilias" und "Odyssee" des blinden Sängers Homer, der um etwa 750 v. Chr. lebte, die beiden bekanntesten Dichtungen der Antike und sind auch den meisten Menschen der Gegenwart bekannt, da sie nicht nur zum Lehrstoff an den Schulen gehören, sondern auch schon unzählige Male verfilmt, als Bühnenstück aufgeführt oder selbst als Comic gezeichnet wurden. Viele Bühnenstücke antiker griechischer Autoren wie Aischylos, Sophokles, Euripides oder Aristophanes werden bis heute regelmäßig aufgeführt.

Überhaupt kommt der Begriff Theater ebenfalls aus dem Griechischen, weil diese Menschen auch auf dem Gebiet des Theaters und der Bühnentechnik bahnbrechend waren. Viele Begriffe aus der Theater- und Bühnentechnik sind griechischen Ursprungs. In der Blütezeit des antiken Griechenlands, besonders in Athens "Goldenem Zeitalter" unter Perikles wurden zudem viele Kunstwerke geschaffen, die bis heute auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes stehen. Das beste Beispiel dafür ist die Akropolis in Athen, praktisch das Symbol des antiken Griechenlands. Der griechische Baustil ist so ansprechend und ästhetisch, dass er auch in neuerer Zeit als Vorbild für repräsentative Bauten genutzt wurde. Beispiele dafür sind das Kapitol in Washington oder das Brandenburger Tor in Berlin, um nur zwei Gebäude aus einer langen Liste zu nennen.

Griechische Kultur im Alltag

Auch im täglichen Leben begegnet man auf Schritt und Tritt Einrichtungen, Dinge oder Institutionen, die ihren Ursprung in der griechischen Kultur haben. So waren zum Beispiel die Griechen die ersten, die Geld in Form von Münzen einführten, eine Errungenschaft, die bis heute unverzichtbar ist und ohne die keine moderne Gesellschaft funktionieren kann. Die Tatsache, dass wir heute in einer Demokratie leben, geht ebenfalls auf griechische Wurzeln zurück. Das Wort "Demokratie" selbst ist griechischen Ursprungs und bedeutet "Herrschaft des Volkes". Im antiken Griechenland, und insbesondere in Athen, erlangten erstmals die unteren Schichten, Bauern, Bürger und Handwerker, ein Mitbestimmungsrecht.

Wenn der Herrscher gegen die geltenden Gesetze verstieß oder gegen die Interessen der Mehrheit handelte, konnte er zur Verantwortung gezogen werden. Bis dahin regierten nur Alleinherrscher, die niemanden Rechenschaft schuldig waren und nach Gutdünken schalten und walten konnten. Ohne die Wurzeln der griechischen Demokratie würde der moderne demokratische Staat nicht existieren. Auch die Einrichtung der Polizei, die als vom Staat bestellte Angestellte für öffentliche Ordnung und Sicherheit sorgen, ist eine griechische Erfindung. Dadurch, dass die Angestellten vom Staat bezahlt werden, wird ihre Unabhängigkeit und Neutralität gewährleistet.

Verbreitung der griechischen Kultur

Selbst in der Antike beschränkte sich die griechische Kultur längst nicht auf das eigentliche Mutterland. Schon zeitig, im 7. und 8. Jahrhundert v. Chr. zogen Griechen aus, um Kolonien zu gründen. Dabei eroberten sie aber nicht die betreffenden Gebiete, wie es beispielsweise später die Römer taten, sondern sie gründeten vielmehr Pflanzstädte, die mit dem Umland Handel und Wandel trieben und mit dem griechischen Mutterland in enger Verbindung standen. Zwei solche griechischen Gründungen, die bis heute blühen und gedeihen, sind die Städte Syrakus auf Sizilien und Neapel in Süditalien. Der Name Neapel leitet sich direkt vom griechischen "Neopolis" ab, das auf Deutsch Neustadt bedeutet.

Auch rund um das Schwarze Meer und in Kleinasien entstanden zahlreiche griechische Siedlungen. Einen gewaltigen Beitrag zur Verbreitung der griechischen Kultur leisteten ebenfalls die Eroberungszüge Alexanders des Großen. Obwohl er selbst zwar kein Grieche im engeren Sinn der Bedeutung war, war er doch ein Hellene und der griechischen Tradition und Kultur verpflichtet. Auf seinen Feldzügen verbreitete er griechische Kultur und Einfluss über den gesamten Nahen Osten, ja bis in den Mittleren Osten hinein. Er gründete zahlreiche Städte, deren bekannteste das nach ihm benannte Alexandria ist, heute die zweitgrößte Stadt Ägyptens mit mehr als 4 Millionen Einwohnern. Durch diese weite Verbreitung wurde Griechisch im östlichen Teil des Römischen Reiches zur Amtssprache und blieb noch lange Zeit nach dem Untergang des weströmischen Teils in Gebrauch.

Einfluss der griechischen Kultur in der Wissenschaft

Der griechische Einfluss kann gar nicht hoch genug gewertet werden. Er erstreckt sich auf alle Bereiche, angefangen von der Philosophie bis hin zu den verschiedensten Spezialdisziplinen. So wird heute noch in den Schulen im Fach Mathematik der Satz des Pythagoras gelehrt und euklidische Geometrie vermittelt. In der Astronomie beispielsweise sind die Namen nicht weniger Sternbilder griechischen Ursprungs, beispielsweise Perseus, Andromeda und Kassiopeia. Die Medizin hat ebenfalls griechische Wurzeln. Noch heute gilt der hippokratische Eid, der auf den griechischen Arzt Hippokrates, der etwa von 460 – 370 v. Chr. lebte, zurückgeht, als Grundlage für die moderne ärztliche Ethik. Auch das Symbol für medizinische Dienste, die um einen Stab gewundene Schlange, war einst Symbol des griechischen Gottes Äskulap, der altgriechische Gott der Heilkunst. Die Geschichtsschreibung geht ebenfalls auf griechischen Ursprung zurück. Der Geschichtsschreiber Herodot von Halikarnassos lebte im 5. Jahrhundert v. Chr. und gilt als Vater der Geschichtsschreibung.

So umgibt uns die griechische Kultur täglich auf allen Bereichen, ohne dass es den meisten Menschen überhaupt bewusst wird. Griechenland legte das Fundament für die moderne, komplexe Gesellschaft, in der die Menschen heute leben.

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