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Griechenland - Religion

Griechenland ist eines der wenigen Länder Europas, in denen es eine Staatsreligion gibt, und ist außerdem der einzige Staat, der das Orthodoxe Christentum als Staatsreligion erklärt hat. Zwar sind Religion und Staat voneinander getrennt, doch die griechisch-orthodoxe Konfession ist weiterhin in der Verfassung als vorherrschende Religion genannt. Deshalb hat die orthodoxe Kirche in Griechenland weiterhin einen großen Einfluss auf die Gesellschaft, was auch daran liegt, dass beinahe die gesamte Bevölkerung der orthodoxen Kirche angehört.

Die Dominanz der orthodoxen Kirche

Etwa 95 % der griechischen Staatsbürger sind Christen und 93 % aller griechischen Christen gehören der orthodoxen Kirche an. Andere Religionen treten nur in sehr kleinen Gruppen auf und nur 2 % der Griechen sehen sich keiner Religion angehörig. Eine ähnlich hohe Religionszugehörigkeit ist in nördlichen europäischen Ländern nur schwer zu finden. Der Einfluss der Religion auf die Gesellschaft lässt sich mit Ländern wie Polen oder Irland vergleichen, in denen die religiöse Zugehörigkeit weiterhin ein wichtiges Identifikationsmerkmal ist und wo sich viele Bürger weitestgehend über ihre Religion definieren. Auch Traditionen und Riten, die durch die Religion überliefert wurden, haben heute noch große Bedeutung und es wird viel Wert darauf gelegt, diese weiterhin zu erhalten und zu pflegen. Aufgrund der Dominanz des orthodoxen Glaubens kommt es oft zu Diskriminierung anderer Konfessionen, allerdings ist die Kirche in manchen Aspekten liberaler als in anderen Ländern. Zum Beispiel ist es orthodoxen Priestern erlaubt zu heiraten, was in der katholischen Kirche auch heute noch nicht denkbar ist.

Veränderungen in Sicht?

Erst die letzten Jahrzehnte brachten Veränderungen mit sich, die den Einfluss der Kirche einschränkten, was bei vielen griechischen Bürgern für Aufsehen sorgte. So war es ab 1982 nicht mehr notwendig, sich in einer Kirche trauen zu lassen, wodurch der Staat ab sofort die standesamtliche Trauung mit der kirchlichen gleichstellte. Außerdem war Griechenland das einzige Land in der EU, in dem die Religionszugehörigkeit im Personalausweis festgehalten werden musste. Erst in den späten 90er Jahren wurde diese Regelung abgeschafft. Eine weitere grundlegende Veränderung war, dass ab 2008 Religionsunterricht an Schulen kein Pflichtfach mehr war. Schüler, die nicht dem orthodoxen Glauben angehören, können während dieser Zeit Nachhilfe in anderen Fächern erhalten und müssen den Religionsunterricht nicht mehr besuchen. Diese Regelung hat für einen großen Aufruhr von kirchlichen Vertretern geführt, die weiterhin der Meinung sind, das jedes griechische Kind, orthodoxen Religionsunterricht erhalten sollte. Allein Kinder aus anderen Ländern sollten vom Unterricht freigestellt werden.

Religion und griechische Politik

Es zeigt sich also, dass – wie in vielen anderen Ländern auch – die Gesellschaft beginnt, sich vom Einfluss der Kirche wegzubewegen, doch tatsächlich hat die orthodoxe Kirche immer noch viele Handlungsmöglichkeiten, die politische und gesellschaftliche Entscheidungen beeinflussen. Vor allem das Bildungssystem wird von der Kirche beeinflusst. Ähnlich wie in Deutschland sind Kindergärten meist kirchlich, allerdings geht die Verflechtung von Staat und Religion noch viel tiefer. So müssen zum Beispiel neue Bischöfe vom Parlament bestätigt werden, bevor sie ihr Amt einnehmen können, gleichzeitig wird die neue Regierung vom orthodoxen Erzbischof vereidigt. Auch wenn politische Entscheidungen nicht mit dem orthodoxen Glauben übereinstimmen sollten, können kirchliche Vertreter öffentlich Druck auf Politiker ausüben, um die Entscheidungen in ihrem Sinne zu beeinflussen. Auch der hohe Anteil der christlichen Bevölkerung spielt hierbei eine große Rolle, denn wer sich gegen den orthodoxen Glauben ausspricht, hat im tief religiösen Griechenland kaum eine Chance wiedergewählt zu werden.

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