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Orchomenos - griechisch: Ορχομενός

Orchomenos ist eine kleine Stadt in der Region Mittelgriechenland im Regionalbezirk Böotien. Die moderne Stadt hat ungefähr 13.000 Einwohner und liegt am Fluss Kifisos. In der Antike existierte eine gleichnamige Stadt in der Region Arkadien. Orchomenos lag am Ufer des Sees Kopais, in den der Fluss Kifisos früher mündete. Inzwischen ist der See ausgetrocknet.

 

Die Stadt ist schon mindestens seit der Jungsteinzeit besiedelt und zählt zu den ältesten und in der Antike auch reichsten Städten Griechenlands. Spuren einer ersten Besiedlung sind mehr als 8.000 Jahre alt. Im 2. Jahrtausend v. Chr. spielte Orchomenos bereits eine wichtige Rolle als Hauptstadt eines mykenischen Reiches. Darauf deuten Reste von ausgedehnten Palastanlagen und ein Kuppelgrab aus dieser Periode hin, das vom deutschen Pionier der Archäologie, Heinrich Schliemann, ausgegraben wurde. Die frühere Bedeutung von Orchomenos lässt sich auch daran ablesen, dass der Ort mehrfach in der griechischen Mythologie erwähnt wird. So werden bei Homer Menschen aus Orchomenos als Teilnehmer am Trojanischen Krieg erwähnt. Im Sagenkreis um den Helden Herkules unterdrückte der König von Orchomenos die Stadt Theben. Er wurde von Herkules und Amphitryon vernichtend geschlagen und seine Stadt verwüstet. Während der Perserkriege stand Orchomenos auf der Seite der Perser. Die Stadt wurde mehrmals erobert und verwüstet, erholte sich aber immer wieder. Nachdem sie gemeinsam mit ganz Griechenland ein Teil des Römischen Reiches wurde, verlor sie an Bedeutung und erlangte auch in späteren Epochen nie wieder den Glanz und die Stellung zurück, die sie in ihrer Frühzeit innehatte.

 

Für den geschichtlich interessierten Besucher hat Orchomenos viel zu bieten, da der Ort auf eine lange und ruhmreiche Vergangenheit zurückblicken kann. Der Hausberg der Stadt trägt den Namen Akontion. Auf seinem Gipfel befand sich in der Antike die Akropolis. Erste bedeutende Funde wurden vom berühmten Archäologen Heinrich Schliemann 1880 gemacht, als er ein Bauwerk freilegte, das er "Schatzhaus des Mynas" nannte. Der Name leitete sich von einem sagenhaften Volk ab, das einst in der Umgebung gelebt haben soll. Erst später wurde klar, dass es sich bei diesem Bauwerk nicht um ein Schatzhaus, sondern um ein mykenisches Kuppelgrab handelte. Am Hang des Akontion wurden 1972 die Überreste eines Theaters entdeckt und ausgegraben. Die Anlage war in den Hang hineingebaut und stammt vermutlich aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Eine andere Sehenswürdigkeit, die es gewiss wert ist, besichtigt zu werden, ist die byzantinische Kirche Maria Himmelfahrt aus dem Jahr 873. Wie damals üblich, enthält die Kirche eine große Zahl von Säulenfragmenten früherer Bauwerke. Es wird vermutet, dass sie von einem früheren Tempel der Chariten (Grazien) stammen, der einst in der Nähe gestanden haben soll. Erst vor Kurzem wurde eine Stele entdeckt, auf welcher der Sieg des römischen Feldherrn Sulla über den griechischen König Mithridates verherrlicht wird. Die Stele kann der Öffentlichkeit zunächst noch nicht präsentiert werden, da sie erst noch restauriert werden muss.

 

Trotz aller geschichtlicher Bedeutung und der großen Männer, die einst in den Mauern von Orchomenos weilten, sollte man das leibliche Wohl nicht vergessen. Dafür wird nämlich in der Stadt bestens gesorgt. Die Forellen von Orchomenos, frisch gefangen und zubereitet, sind eine Delikatesse, die in ganz Griechenland bekannt und begehrt ist.

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